Schufa will Facebook-Daten für Bonitätsrating nutzen

Die Nachricht platzte wie eine Bombe in die Nachrichten. Die Schufa hat das Hasso-Plattner-Institut (HPI) beauftragt in Form einer Studie herauszufinden, inwieweit Daten insbesondere aus Sozialen Netzwerken (Facebook, Xing) dafür genutzt werden können, eine Bonitätsprüfung durchführen zu können.

Mittlerweile hat das Hasso-Plattner-Institut (HPI) den Vertrag gekündigt. Der öffentliche Aufschrei und die Befürchtung einen Imageschaden zu erleiden waren dann doch zu groß.

Allein das Ansinnen ist an sich schon bedenklich, wenn zukünftig mein Freundeskreis, mein Wohnort oder soziale Aktivitäten dazu führen, dass meine Kreditwürdigkeit sinkt. Dann suche ich mir besser nur noch Freunde mit einer dicken Brieftasche aus, streite mit meinem Nachbarn, dass er endlich seine Hausfassade nach 30 Jahren gefälligst neu streichen soll, da sonst meine Bonität gefährdet ist und stelle gleich jede soziale Aktivität ein, da ich durch die Unterstützung hilfsbedürftiger Menschen mit einem negativen Rating rechnen muss! Schlicht gesagt ich agiere im Internet nicht mehr so frei wie immer, sondern mache mir über jeden Schritt Gedanken. Spiegel Online hat gleich reagiert und eine Anleitung auf seiner Webseite zur Verfügung gestellt, wie ich meinen Facebook-Account Schufa sicher mache.

Ferner führt dies dazu, dass die Ehrlichkeit weiter abnimmt, da keiner mehr Echtdaten einstellt und das Anlegen der Accounts unter Pseudonymen zunehmen wird. Wenn dann eine beträchtliche Zahl der Personen Hans oder Erika Müller heißen, stellt sich mir die Frage, wie die Schufa dann eine Bonitätsabfrage vornehmen will? Dies lässt sich nur dann durchführen, wenn weitere Daten verknüpft werden. Dann wird die Frage aufgeworfen, wo die denn herkommen, wenn es sich nicht um öffentliche Daten handelt?

Zum Schluss bleibt noch die Frage, mit welchen statistischen Formeln dann die Daten aus den Sozialen Netzwerken in die Bonitätsbewertung einfließen? Aktuell ist die Schufa schon heute sehr intransparent bei der Erstellung der Scorewerte und verweist auf ihr Geschäftsgeheimnis. Das kann dann dazu führen, dass Personen häufiger auf Ramschstatus gescored werden und keine Kredite mehr erhalten und es sich nicht mehr um „bedauerliche Einzelfälle“ handelt.
 
Siehe hierzu FAZ vom 09. Oktober 2010: Nach dem Auslandsjob auf Ramsch-Status

http://www.faz.net/aktuell/finanzen/kreditwuerdigkeit-nach-dem-auslandsjob-auf-ramsch-status-11055532.html

 

Rudolf Fiedler

Aktualisiert (Mittwoch, den 20. Juni 2012 um 21:56 Uhr)